Paket aus dem fernen Israel

Amt Elsterland, den 05. 11. 2015
Vorschaubild zur Meldung: Paket aus dem fernen Israel

„Raum des Gedenkens" erhält neue Ausstellungsstücke

 

Tröbitz Briefe, Karten, e­-Mails aus Israel sind im Hau­se der Familie Mann nichts Besonderes. Aber ein Paket ist doch die Ausnahme.

Gespannt war man auf den Inhalt. Es enthielt Bücher, ein Gebetsbuch, Kerzenständer und einen achtarmigen Ker­zenleuchter, nicht für die Schrankwand, sondern zur Bereicherung der in Tröbitz bestehenden Ausstellung über den „Verlorenen Trans­port".

Mirjam Lapid, geborene Andriesse, ist eine Überle­bende des Holocoust, die in Tröbitz aus dem „Verlorenen Transport" befreit wurde. Es war einer von drei Zügen, der aus dem Konzentrationsla­ger Bergen-Belsen mit 2.500 geschwächten Häftlingen auf den Weg ins Ungewisse ge­schickt wurde. Die Odyssee endete mit der Befreiung am 23. April in dem kleinen Dorf Tröbitz.

Lange hat es gedauert, ehe Mirjam Lapid die Kraft fand an die Orte des Schreckens, aber auch der Befreiung zu­rückzukehren. 2007 war es dann soweit und die Familie begab sich auf eine „Tour der Erinnerung", die natürlich auch Tröbitz, den Ort der Be­freiung, einbezog. Verwiesen wurden sie damals an Werner Mann, der sich intensiv dafür einsetzte, dass die Ereignisse nicht in Vergessenheit gera­ten. Werner Mann und Mir­jam Lapid waren damals bei­de Kinder, fast gleichaltrig, sind sich aber nicht bewusst begegnet. Schnell waren ers­te Berührungsängste über­wunden und nach wenigen Stunden verließ die Familie Lapid Tröbitz in der Gewiss­heit neue Freunde gefunden zu haben. Ein intensiver Brief- und e-Mailverkehr entwickelte sich und man nahm Anteil am Leben der Familie in dem fernen Land. Ob es ein Wiedersehen geben wird, war damals nicht abzu­sehen. Groß war dann die Freude als Mirjam Lapid, diesmal auch in Begleitung schon der nächsten Genera­tion, ihren Besuch anlässlich der Feierlichkeiten des 70. Jahrestages der Befreiung und der Eröffnung der Open-Air-Ausstellung, ankündig­te. Eine große Reise für die inzwischen 82-Jährige und es kam zu einem Wiedersehen mit Freunden.

An diesem Tag besuchte sie auch die langjährige Ausstel­lung, die inzwischen ihr Do­mizil in der evangelischen Schule gefunden hat und dort vom Relegionslehrer Tho­mas Deffke und den Schüle­rinnen und Schülern nicht nur erhalten, sondern zu ei­ner interaktiven Ausstellung entwickelt wird. Mirjam Lapid und die vielen anderen Besucher waren von diesem Vorhaben angetan. So kam es, dass sie sich entschloss einige Stücke für die Ausstel­lung beizusteuern und pack­te ein Paket, zum Beispiel mit einem achtarmigen Kerzen­leuchter, der für das Chanukafest, meistens in der Weih­nachtszeit genutzt wird. Je­den Abend wird dann eine Kerze mehr angezündet.

Im Paket waren auch Bild­bände über Israel und Jeru­salem mit einer Inschrift in gebrochenem Deutsch, wo sie sich an die Einwohner von Tröbitz wendet und ihnen dankt, dass sie ihre Häuser und Herzen geöffnet haben im April, 23, 1945 und die Erinnerung so viele Jahre ge­halten haben. „Der 70. Jah­restag war besonders gefühl­voll für mich als Überleben­de und für meine Familie. Vielen Dank Mirjam (Lapid) Andriesse, Kibbutz Tzora, Israel".

Relegionslehrer Thomas Deffke dankte für diese Ge­schenke, die, so sein Verspre­chen, nicht in der Vitrine verschwinden, sondern in die Hand genommen und in den Büchern geblättert wer­den können. Die Ausstellung wird auch in den Unterricht einbezogen, wenn es um Is­rael und das Judentum geht.

Besucher der Ausstellung werden so zum Beispiel gebe­ten einen Stein aus dem Korb zu nehmen und ihn beim Be­sichtigen in der Hand zu hal­ten und Härte, Schmerz und Last zu fühlen, als Zeichen des Mittragens der Lasten und der Trauer. Nach dem Rundgang soll der Stein vor dem Stacheldraht abgelegt werden. Auf bereitliegenden Zetteln werden Gedanken und Gefühle niedergeschrie­ben und neben dem Stein­haufen abgelegt. Eine weitere Besonderheit ist, dass Schü­ler andere Schüler durch die Ausstellung führen.

Die evangelische Grund­schule hat sich mit dem Pro­jekt „interaktives Museum" um den „Franz-Bobzien-Preis" beworben, der insbe­sondere Projekte würdigt, die sich mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Deutschland auseinander­setzen. CW

 

 
  Textfeld: Werner Mann (2.v.l.) übergab im Beisein von Bürgermeister Holger Gantke (l.)
und Amtsdirektor Andreas Dommaschk (3.v.l.) die Geschenke von Mirjam Lapid
zur Ergänzung der interaktiven Ausstellung an Schüler der evangelischen Grund-
schule.	Foto: CW

 

 

 

Bild zur Meldung: Paket aus dem fernen Israel

Weitere Informationen: