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Jüdischer Friedhof Tröbitz

Vorschaubild

 

Quelle: Auszug aus „Die jüdischen Gedenkstätten" von Erika Arlt, Herausgeber Landkreis Elbe-Elster

 

Am Ende der Schulstraße in Tröbitz, unmittelbar an die Begräbnisstätte des Ortes angrenzend, befindet sich der jüdische Friedhof. Hier wurden 125 ehemalige Häftlinge des Todeszuges beigesetzt, die in den Häusern des Ortes an Typhus und Erschöpfung verstarben.

 

Das Eingangstor, geschmiedet durch den Tröbitzer Bürger Hermann Winkler, hat zwei Flügel, in die je ein Davidstern eingearbeitet ist. Im September 1941 trat in Deutschland eine Polizeiordnung in Kraft, wonach jeder Bürger jüdischer Abstammung gezwungen wurde, in der Öffentlichkeiten dieses Zeichen als gelben Stern im der Aufschrift „Jude" an der Kleidung in Herzhöhe sichtbar und  ständig zu tragen. Es bedurfte schon des ganzen Sadismus faschistischer Gesinnung, dieses den Menschen heilige Symbol als „Judenstern" aufzuzwingen.

 

Im Dezember 1947 wurden die sterblichen Überreste von dreiundvierzig Holländern und fünf Franzosen im Auftrag der Umbettungsmission der Französischen Gruppe des Kontrollrates Berlin exhumiert und in deren Heimatländer überführt.

 

Die verbliebenen Gräber erhielten Einfassungen sowie Grabplatten mit den Namen, Geburts- und Sterbedaten der Toten.

 

Am 4. September 1966 wurde zu Ehren und zum Gedenken der Opfer, die durch das faschistische Regime ihr leben lassen mussten, der jüdische Friedhof in Tröbitz eingeweiht und ein Gedenkstein enthüllt. An dieser würdigen Feierstunde nahmen der Präsident des Verbandes der Jüdischen Gemeinde der DDR, Helmut Aris, der ungarische Oberrabbiner, Dr. Ödön Singer, und Personen des öffentlichen Lebens sowie die Bevölkerung des Territoriums teil.

 

Seit 1990 kamen Überlebende des Transportzuges aus Großbritannien, Israel, den Niederlanden, den USA und Australien nach Tröbitz, um die Gräber ihrer Angehörigen und die Gedenkstätte zu besuchen. Sie waren überrascht, dass sie diese nach mehr als 45 Jahren in einem gut gepflegten Zustand vorfanden. Einzelpersonen aus Tröbitz, Arbeitskollektiver sowie Schüler der Polytechnischen Oberschule Tröbitz hatten ihre Pflege übernommen. Dafür bedankten sie die Überlebenden mündliche sowie auch schriftlich.

 

Bei den Besuchen entstand der Gedanke, auf dem jüdischen Friedhof eine Gedenkwand zu errichten, auf der alle bekannten Namen der Toten des „Verlorenen Transportes" verzeichnet sein sollten, angefangen von der Verladerampe in Bergen-Belsen bis zur letzten Verstorbenen in Tröbitz.

 

Zur Verwirklichung des Vorhabend gründete sich in Israel die Organisation „The ´Lost Transport´Victims Memorial Society, Bergen-Belsen, Tröbitz (April 1945)

 

Die Organisatoren, Herr Ariel Koretz und Herr Chanoch Mandelbaum, Israel, schufen in jahrelanger, mühevoller Kleinarbeit die Voraussetzungen zur Umsetzung des Planes.

 

Die finanziellen Mittel zur Herstellung der Namensplatten wurden in Israel gesammelt, ein Jerusalemer Steinmetz erhielt den Anfertigungsauftrag.

 

In Tröbitz wurde das Fundament für die Gedenkwand errichtet und die schwarzen Granitplatten angebracht.

 

Am 27. April 1995, dem 50. Jahrestag der Befreiung des Bergen-Belsen-Zuges, erfolgte die Einweihung der neuen Gedenkwand in einem bewegenden Trauergottesdienst. Die Tafeln mit den Namen der über 550 Toten enthüllten Überlebende des Transportzuges aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen. Über 200 Angehörige und Überlebende kamen dazu nach Tröbitz. Viele von Ihnen betraten nach 50 Jahren erstmals wieder deutschen Boden.

 

 

 


Aktuelle Meldungen

Tröbitz steht auch für große Zuversicht

(25.04.2017)

"Es gibt für uns keine größere Verpflichtung als das Erinnern." Dieser Satz ist Teil der Ansprache, die Farjon Israel von der israelischen Botschaft am Montag mitten im Wald bei Tröbitz vor dem Gedenkstein am Bahnkilometer 101,6 hält.

Anlässlich des Gedenkens an den so genannten "Verlorenen Transport" sind am Montagvormittag neben zahlreichen Vertretern von Kommunal- und Landespolitik auch Gäste aus dem In- und Ausland zur Kranzniederlegung erschienen. Etwa die niederländische Autorin Saskia Goldschmidt, deren Vater zu den Überlebenden zählte. Mit Lore Robison war auch die Tochter eines der in Tröbitz begrabenen Opfer aus London angereist.

Vor der Stelle, an der sechzehn jüdische Opfer des Transportes begraben liegen, erinnerten die Teilnehmer der Veranstaltung an jenes grausige Geschehen vor 72 Jahren. An jenen Zug, der mit etwa 2500 Insassen des Konzentrationslagers Bergen-Belsen auf dem Weg in das Vernichtungslager Theresienstadt hier zwischen Langennaundorf und Tröbitz zum Stehen kam. 558 Häftlinge starben während der Fahrt oder nach der Befreiung an den Folgen von Krankheit und Erschöpfung.

Lesen Sie hier weiter

 

Lausitzer Rundschau vom 25.4.2017

Eltern von Autorin im verlorenen Zug

(25.04.2017)

"Die Glücksfabrik" heißt der eindrucksvolle Roman von Saskia Goldschmidt, der am Sonntag in Finsterwalde vorgestellt wird. Die niederländische Autorin beschäftigt sich darin mit der Zusammenarbeit des Hormonforschers Ernst Laqueur mit dem Schlachthofbesitzer Saal van Zwanenberg.

 

Eine ideale Verbindung, denn Insulin wurde zuerst aus den Bauchspeicheldrüsen von Schweinen und Testosteron aus Pferdehoden gewonnen. Der Vater der Autorin, Paul Goldschmidt, war mit seiner Frau Renate, einer Tochter Laqueurs, im sogenannten verlorenen Zug, der am 23. April 1945 in Tröbitz von der Roten Armee befreit wurde. ..  Lesen Sie hier weiter

 

Erschienen in der Lausitzer Rundschau vom 21.4.2017

Weil es um die Zukunft geht

(26.04.2016)

Erinnern und Mahnen in Langennaundorf und Tröbitz an die Opfer vom Verlorenen Transport

Vor 71 Jahren wurden in Tröbitz etwa 2000 jüdische Frauen, Männer und Kinder aus einem Zug befreit, der tagelang durch Deutschland geirrt war. Mehr als 500 Menschen haben diesen Moment nicht mehr erlebt. Auch 26 Tröbitzer starben damals. Gestern wurde der Opfer gedacht.

Bis heute wird die Erinnerung an den Verlorenen Transport, die Opfer und die Hilfsbereitschaft der Tröbitzer wach gehalten. Jährlich finden Gedenkveranstaltungen im Langennaundorfer Forst am Bahnkilometer 101,6, am Massengrab an der Tröbitzer Kirche und auf dem jüdischen Friedhof in Tröbitz ... [hier weiterlesen]
 
erschienen in der Lausitzer Rundschau vom 26 April 2016 (Heike Lehmann)
Lesen Sie den gesamten Artikel unter www.lr-online.de

[zum Bericht auf lr-online.de]

Foto zu Meldung: Weil es um die Zukunft geht

Gedenktag zum 71. Jahrestag der Befreiung des Verlorenen Zuges in Tröbitz

(26.04.2016)

Traditionell begingen die Gemeinden Langennaundorf und Tröbitz die gemeinsamen Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des Verlorenen Zuges. Traditionell fanden Gäste aus Politk und Gesellschaft Worte der Erinnerung aber auch der Mahnung an den Gedenkorten am Bahnkilometer 101,6 in Langennaundorf, am Massengrab an der Evangelischen Kirche Tröbitz und auf dem Jüdischen Friedhof in Tröbitz.

 

Mahnende und zuversichtliche Worte fanden Rabbiner Dr. Walther Rothschild, der zum ersten Mal nach Tröbitz kam, und Dr. Peter Fischer, der schon seit über 20 Jahren an den Gedenkfeierlichkeiten teilnimmt. Bei dem alljährlichen Gedenken gehe es um die Zukunft, dass sich solches Elend nicht wiederholt. Auch damals waren es nicht nur alte Menschen, die leiden mussten, die starben. Dr. Rothschild erklärte den Schülerinnen und Schülern aus Wahrenbrück und Tröbitz, dass auch Kinder im Grundschulalter unter den Opfern waren, und auch heute wieder Kinder unter den Opfern von Krieg und Verfolgung sind. Umso wichtiger sei, dass die jungen Generationen dem Gedenken beiwohnen, "weil es um die Zukunft geht".

 

Mit Gebeten auf Henräisch, Aramäisch und Deutsch ging diesjährige Gedenkfeier auf dem Jüdischen Friedhof zu Ende.

 

Es ist ein gutes Gefühl, dass sich seit Jahrzehnten Menschen zusammenfinden, denen Wachhalten dieser Geschichte am herzen liegt.

 

Karla Fornoville

 

Foto zu Meldung: Gedenktag zum 71. Jahrestag der Befreiung des Verlorenen Zuges in Tröbitz

Gedenktag - 71. Jahrestag der Befreiung des Verlorenen Transports

(21.04.2016)

In diesem Jahr werden die Gedenkfeierlichkeiten zur Befreiung der jüdischen Häftlinge aus dem Verlorenen Tranport erst am 25. April 2016 stattfinden - dies geschieht aus Rücksicht auf die traditionellen Feierlichkeiten zum jüdischen Pessach-Fest.

 

Gemeinsam mit der Stadt Uebigau-Wahrenbrück (Langennaundorf) begeht die Gemeinde Tröbitz jedes Jahr diesen denkwürdigen Tag, der die Geschichte und das Leben beider Orte prägte. Gemeinsam möchten wir der jüdischen Opfer gedenken, die während der Irrfahrt von Bergen-Belsen nach Tröbitz und nach der Befreiung in Tröbitz durch Hunger, Krankheit und Elend ihr Leben lassen mussten. Wir möchten auch der 26 Tröbitzer gedenken, die sich mit Typhus infizierten und an den Folgen starben.

 

Dieser Gedenktag 2016 wird ein ganz besonderer Tag der Erinnerung. Erika Arlt schrieb einst "Die Geschichte des verlorenen Transportes ist auch ein Teil der Tröbitzer Geschichte, die es gilt zu bewahren – als Erinnerung, als Mahnung aber auch als Chance für eine menschliche Zukunft." (Erika Arlt Broschüre Die jüdischen Gedenkstätten, Hrsg. Landreis Elbe-Elster, Herzberg 1999). Nun ist Erika Arlt selbst Teil dieser Geschichte geworden, bedeutsam und unvergesslich. Sie starb im vergangenen Herbst im Alter von 89 Jahren. Mit viel Anteilnahme von nah und fern wurde sie auf ihrem letzten Weg begleitet. Erika Arlt war nicht nur Chronistin des Verlorenen Zuges, die durch unermütliche Recherche die Geschehnisse für die Nachwelt dokumentierte. Sie war vor allem auch Bindeglied zwischen Überlebenden, jüdischen wie einheimischen, und zwischen den Generationen der Zeitzeugen und Nachkommen. Dank Ihres unermütlichen Schaffens bis zum Schluss hat das Gedenken um den Verlorenen Zug ein Gesicht bekommen, sind Freundschaften entstanden und haben die Menschen zueinander gefunden - die Chance für eine menschliche Zukunft ist greifbar geworden.

 

Es ist auch ein Verdienst von Erika Arlt, dass wir seit vielen Jahren diesen Gedenktag als einen Tag der Zusammenkunft und der Gemeinsamkeit erleben dürfen, als einen Tag der Zuversicht und der Erinnerung ,

 

Zum gemeinsamen Erinnern sind alle Bürger herzlich willkommen

 

10:15 Treffen in Langennaundorf bei der Feuerwehr
10:30 Fahrt zur Kranzniederlegung am Denkmal in  Langenauendorf
10:45 Gedenkveranstaltung und Kranzniederlegung am Bahnkilometer 101,6

13:00 Gedenkreden und Kranzniederlegung an der Gedenktafel in der Gemeinde Tröbitz
13:30 Kranzniederlegung auf dem jüdischen Friedhof in Tröbitz

 

 

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung lädt die Arbeitsgemeinschaft "Verlorener Transport" zu einer Vortragsveranstaltung. Herr Rabbiner Dr. Walter Rothschild aus Berlin wird zum Thema 'Die Reichsbahn in den beiden Weltkriegen' sprechen. Dr. Walter Rothschild ist Spezialist für die Geschichte der Eisenbahn.

 

Termin:  25.4.2016, 16.00 Uhr

Ort: Zechensaal der Brikettfabrik Louise in Domsdorf

Veranstalter: Arbeitsgemeinschaft (AG) Verlorener Transport

 

 

Karla Fornoville

Gemeinde Tröbitz

"Für mich ist sie eine Heldin"

(16.11.2015)

Erika Arlt, Chronistin des "Verlorenen Transports", 89-jährig in Tröbitz gestorben

Am Wochenende erreichte uns die traurige Nachricht: Erika Arlt ist tot. Ihr Name war und bleibt auch in Zukunft untrennbar mit der Erforschung des "Verlorenen Transports" und des tragischen Schicksals von tausenden jüdischen Menschen verbunden, die in den letzten Kriegstagen in Tröbitz von der Roten Armee aus den Fängen der Nazis befreit wurden. Erika Arlt hinterlässt ein Lebenswerk von unschätzbarem Wert.

Bereits seit den 70er Jahren erforschte Erika Arlt, anfangs noch gemeinsam mit ihrem Mann, in akribischer Kleinarbeit die Ereignisse um den Zug, der im Frühjahr 1945 2500 Juden vom KZ Bergen-Belsen ins KZ Theresienstadt bringen sollte und am 23. April wegen der heranrückenden Front in ... [hier weiterlesen]

 

Quelle: Lausitzer Rundschau lr-online.de vom 16.11.2015

[Lausitzer Rundschau online]

Bergen-Belsen – wo das Grauen seinen Anfang nahm

(30.04.2015)

Tröbitzer besichtigen die KZ-Gedenkstätte / Dort begann der „Verlorene Transport“ 1945 seine Irrfahrt bis zur Befreiung in Tröbitz

Tröbitz/Bergen-Belsen  1945 wurden in Tröbitz mehr als 2000 jüdische Häftlinge aus dem "Verlorenen Transport" in den Häusern aufgenommen, gepflegt und versorgt. 70 Jahre später haben Tröbitzer Einwohner und Schüler den Ort aufgesucht, wo der Zug seinen Ausgangspunkt hatte – Bergen-Belsen.

Die Idee für diese Fahrt in die Gedenkstätte Bergen-Belsen (Niedersachsen) hatte Bürgermeister Holger Gantke. Wenige Tage nach der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung des "Verlorenen Transports" machen sich am Dienstag mehr als 40 Einwohner und Schüler der Evangelischen Grundschule auf, um jenen Ort kennenzulernen, wo das Grauen seinen Anfang nahm. … hier weiterlesen

 

 

Heike Lehmann

erschienen in der Lausitzer Rundschau vom 30.4.2015

 

[Lausitzer Rundschau online]

Mit Kindern und Enkeln am Ort der Befreiung

(24.04.2015)

Viele Überlebende des "Verlorenen Transports” erneut in Tröbitz

 

Am 23. April 1945 öffneten Soldaten der Roten Armee nahe Tröbitz die Türen zu den Waggons eines Zuges mit mehr als 2000 jüdischen Häftlingen aus dem KZ Bergen-Belsen. Mehr als 550 Häftlinge haben das nicht mehr erlebt. Für den "Verlorenen Transport" wurde am Donnerstag im Beisein vieler Überlebender wurde eine Freiluftausstellung eingeweiht.

Wer die neue Ausstellung in Tröbitz besucht, sieht als Erstes die handgeschriebene Liste mit 565 Namen der Verstorbenen, die die 13-tägige Irrfahrt quer durch Deutschland nicht überlebt haben. "Einen besonderen Stellenwert" wollte Kurator und Historiker Ralph Gabriel diesen Menschen einräumen. Das hat er bei Einweihung mit mehreren Hundert Gästeen, darunter viele Überlebende und Angehörige, erklärt. … weiterlesen

 

erschienen in der Lausitzer Rundschau vom 24.04.2015

 

Gemeinsam erinnern in Brandenburg

(26.03.2015)

Ausstellungen und Projekte - Gedenken zum 70. Jahrestag der Befreiung

 

Kulturministerin Sabine Kunst hat gestern in Potsdam gemeinsam mit dem Direktor der Stif­tung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte und Museum Sachsen­hausen, Günter Morsch, der Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Insa Esche­bach, und dem Amtsdirektor des Amtes Elsterland, Andreas Dommaschk, Gedenk- und Erinne­rungsveranstaltungen zum 70. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager vorgestellt.

 

Die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen und die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück informierten über eine Reihe von Gedenkveranstaltungen, Ausstellungseröffnungen, Führungen, Tagungen und Lesungen in den verschiedenen Gedenkstätten und Museen, die im Zeitraum vom 17. bis 20. April 2015 stattfinden werden. Das Amt Elsterland stellte die neue Freiluftausstellung zum „Verlorenen Zug“ in Tröbitz vor, die am 23. April 2015 bei den Gedenkfeierlichkeiten und im Beisein zahlreicher Überlebender und Angehöriger eröffnet wird.

 

Im Rahmen des Zusammentreffens würdigte Kulturministerin Sabine Kunst die Arbeit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten für die Aufklärung und Erinnerung im Land. „Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinem menschenverachtenden Regime ist gerade in diesem Jahr, in dem sich das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung der Konzentrationslager zum 70. Mal jähren, von besonderer Bedeutung.“ Sie hob dabei die Wichtigkeit der Gedenkstätten für die zeitgeschichtliche Erinnerungskultur im Land Brandenburg hervor und betonte: „Die Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte in Brandenburg erfolgt nicht nur im Kontext der wichtigen historisch-wissenschaftlichen Arbeit, sondern wirkt ganz bewusst auch in die Breite der Gesellschaft hinein. Gerade junge Menschen sollen für die Mechanismen eines Unrechtssystems sensibilisiert werden – und damit auch für die Notwendigkeit, rassistischen und antisemitischen Stimmungen bereits früh entschlossen entgegenzutreten und sich engagiert für Demokratie, Pluralismus und Freiheit einzusetzen.“

 

Die brandenburgischen Mahn- und Gedenkstätten in Sachsenhausen und Ravensbrück sind weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt als trauriges Symbol eines grausamen Regimes, das unsägliches Leid über Menschen gebracht hat, das Menschen verfolgte, inhaftierte, folterte und ermordete. Die umfangreichen Gedenkfeierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager stehen in diesem Jahr einmal mehr im Lichte des Zusammentreffens von junger und alter Generation.

Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen äußerte seine Freude darüber, „ dass auch 70 Jahre nach der Befreiung viele Überlebende von Sachsenhausen und Ravensbrück unserer Einladung trotz ihres hohen Alters folgen wollen.“ Man hoffe, dass viele die doch beschwerliche Reise auch antreten können und man lade alle Menschen, ob jung oder alt sein, um die vielleicht letzte Möglichkeit zu nutzen, mit Augenzeugen des unmenschlichen NS-Regimes ins Gespräch zu kommen.

 

Die Gemeinde Tröbitz im Amtsbereich des Amtes Elsterland im Landkreis Elbe-Elster ist internatio­nal weniger bekannt, aber deshalb nicht weniger wichtig. Sie war kein Schauplatz von In­haftierung, Folter und Mord des NS-Regimes, sondern ging vor allem als Ort der Befreiung in die Geschichte ein. Sie zeigte den Bewohnern des seinerzeit 700 Seelen-Dorfes zum Kriegsende noch einmal das schreckliche Gesicht einer Zeit geprägt von Verfolgung, Qual und Tod. Der 70. Jahrestag der Befreiung des „Verlorenen Zuges“ ist aber auch und vor allem ein Symbol der Hoffnung auf Frieden, der Heimkehr und der Menschichkeit.

Als „Verlorener Zug“ wird der letzte von drei Zügen bezeichnet, mit denen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs Häftlinge vom Konzentrationslager Bergen-Belsen vor anrückenden britischen Truppen abtransportiert wurden, mit dem Ziel der Vernichtung. Er wurde nach zweiwöchiger Irrfahrt am 23. April 1945 in der Nähe von Tröbitz von Truppen der Roten Armee befreit. Mehr als 500 der rund 2.400 jüdischen Häftlinge überlebten den Transport nicht. Viele starben teilweise unterwegs an der Infektionskrankheit Flecktyphus, aber auch an Hunger und Erschöpfung. Auch Tröbitzer erlagen dem Flecktyphus. Das Dorf stand unter Quarantäne, die Bewohner versorgten die Kranken und gaben Haus und Hof ab, um die hunderten von Menschen beherbergen zu können. Heute befindet sich in Tröbitz ein jüdischer Friedhof und mehrere Erinnerungsorte, die bis regelmäßig von Überlebenden sowie Angehörigen besucht werden. In umliegenden Orten wie Schipkau, Langennaundorf und Wildgrube wurden Gedenkstätten eingerichtet. Am 23. April 2015 wird die Freiluftausstellung zum „Verlorenen Zug“ in Tröbitz eröffnet.

Bei der Vorstellung der Gedenkfeierlichkeiten und Projekte in Potsdam betont Andreas Dom­maschk, Amtsdirektor des Amtes Elsterland, dass das Aufeinandertreffen der jüdischen Überle­benden und der Dorfbevölkerung bis heute tief in der Geschichte des kleinen Dorfes verankert ist. „Die Bewohner des Ortes sahen und sehen es als ihre humanitäre Aufgabe an, die Erinnerung an die Geschehnisse wach zu halten. So werden seit 1945 der jüdische Friedhof und die Grabstellen gepflegt, Gedenkfeiern organisiert und die Ereignisse dokumentiert. In die Auseinandersetzung sind auch die nachfolgenden Generationen mit eingebunden. Diese Praxis der Erinnerung prägt bis heute das Verhältnis zwischen den Bewohnern von Tröbitz und den Überlebenden sowie ihren Nachfahren. Alle sehen es als ihre gemeinsame Aufgabe an, auch in Zukunft Verantwortung wahr­zunehmen, die Auseinandersetzung mit diesen Ereignissen zu verstärken und die Erinnerung wach zu halten. Allen Beteiligten ist bewusst, dass die Lehren aus diesem Kapitel der deutschen Ge­schichte immer wieder neu erarbeitet und vermittelt werden müssen. Aus der Praxis der Erinnerung erwächst humanitäres Verhalten.“

 

70 Jahre nach Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung der Konzentrationslager finden in Brandenburg finden rund 30 Veranstaltungen an verschiedenen Orten statt. Landesweit gibt es ins­gesamt mehr als 70 Gedenkstätten, Erinnerungsorte und Museen, die sich mit zeitgeschichtlichen Ereignissen beschäftigen. Ob großen Gedenkstätten wie Sachsenhausen oder Ravensbrück, Orte der Erinnerung an jüdisches Leben in Brandenburg (wie die Mikwe in Schwedt und der jüdische Fried­hof in Zehdenick) oder Schauplätze von Kampfhandlungen (wie die Seelower Höhen) – die Kriegs­ereignisse sind tief in der Geschichte der Orte verankert und damit Teil unseres gesellschaftlichen Lebens.

 

Kulturministerin Sabine Kunst betonte, „Die Gedenkstätten im Land Brandenburg sind wichtige Bestandteile der zeitgeschichtlichen Erinnerungskultur des Landes und der historisch-politischen Aufarbeitung und Bildung für nachfolgende Generationen ...“

 

Umso wichtiger ist es, dass die finanzielle Last der Erhaltung der Erinnerungsstätten, der Aufberei­tung vorhandener Daten sowie der Konservierung von Dokumenten und des Wissens von Zeitzeu­gen nicht allein den verantwortlichen Gemeinden überlassen wird. Die Landesregierung unterstützt die Arbeit der brandenburgischen Gedenkstätten in diesem Jahr mit insgesamt mehr als 3,6 Millio­nen Euro.

 

 

kfo

[svz.de]

[welt.de]

[Artikel in der Lausitzer Rundschau vom 26.03.2015]

Foto zu Meldung: Gemeinsam erinnern in Brandenburg